ORF2
Spioninnen im 2. Weltkrieg
Info, Geschichte • 28.03.2025 • 22:30 - 23:20
 Eine Ausweiskarte von 1932 für Virginia Hall.
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 Yvonne Cormeau.
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 Yolande Beekman.
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 Virginia Hall.
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Originaltitel
Spioninnen im Zweiten Weltkrieg
Produktionsland
A
Produktionsdatum
2025
Info, Geschichte
Sie zerstörten Telefon- und Stromleitungen, jagten Waffenlager und Brücken in die Luft, schmuggelten Menschen und Waffen hinter feindliche Linien und belauschten hochrangige Offiziere – mutige Frauen, die ihr Leben im Widerstand riskierten, und die sich für Demokratie und Frieden einsetzten. Eine von ihnen war die Amerikanerin Virginia Hall. Sie sprach fließend drei Fremdsprachen und arbeitete in verschiedenen US-Konsulaten in Europa, bis ihr 1933 nach einem Unfall ein Bein amputiert wurde. Mit 27 bekam sie eine 3,5 kg schwere Holzprothese und verlor ihren Job im diplomatischen Dienst – angeblich aufgrund ihrer Körperbehinderung. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, nach Kriegsausbruch als Krankenwagenfahrerin bei der französischen Armee zu dienen. Als die Nationalsozialisten Frankreich besetzten, floh sie nach Spanien und bewarb sich bei der gerade neu gegründeten britischen Geheimdiensteinheit SOE, der Special Operations Executive. Winston Churchill hatte sie persönlich in Auftrag gegeben. Mit subversiver Kriegsführung sollte "Europa in Brand gesteckt" werden. Da militärische Aktivitäten kein Teil der Kampfstrategie waren, forderte der mit der Rekrutierung beauftragte Offizier Selwyn Jepson die Anstellung vor allem von Frauen. Sie könnten sich hinter feindlichen Linien unauffälliger bewegen, argumentierte er, und wären im Vergleich zu Männern, die immer danach trachteten, sich mit anderen Männern zu umgeben, auch allein zu mutigen Taten fähig. Zwar schlug ihm aus allen militärischen Einheiten heftiger Gegenwind entgegen, doch er setzte sich durch und Churchill genehmigte seinen Plan. Eine der ersten Angestellten der SOE war Vera Atkins. Die 1908 in Rumänien geborene Tochter eines deutsch-jüdischen Geschäftsmannes hatte in Frankreich und in der Schweiz Fremdsprachen studiert und war vor dem zunehmenden Extremismus nach England geflüchtet. Im Februar 1941 begann sie, gezielt Personen mit perfekten Französischkenntnissen zu rekrutieren und sie für einen Einsatz in Frankreich vorzubereiten. Sie war eine der ersten Frauen, die innerhalb des britischen Geheimdienstes eine Führungsfunktion übernahm – wenn auch nicht offiziell. Im Laufe der Jahre warb Vera Atkins etwa 400 Personen für Geheimdienstaktivitäten in Frankreich an. 39 von ihnen waren Frauen – darunter Noor Inayat Khan, Tochter eines indischen Sufi-Mystikers, Yolande Beekman, die Modedesignerin werden wollte, und Yvonne Cormeau, die sich dem Kampf gegen die Nazis verschrieb, weil diese ihren Mann in der Luftschlacht um England getötet hatten. Auch Virginia Hall wurde vom SOE ausgebildet. Ihre Aktivitäten im besetzten Frankreich waren trotz ihrer Beinprothese so erfolgreich, dass Klaus Barbie, der "Schlächter von Lyon", 500 zusätzliche Agenten nach Frankreich verlegen und per Kopfgeld nach ihr fahnden ließ. Hall entging sämtlichen Razzien und der gezielten Verfolgung durch Gestapo-Beamte, vor allem dank ihres Misstrauens allem und jedem gegenüber. Nach der SOE wechselte sie zum amerikanischen Geheimdienst OSS und koordinierte Widerstandsgruppen zur Vorbereitung des D-Day. Dennoch wurde sie nach dem Krieg in ein berufliches Abseits gezwungen. Ein interner CIA-Bericht enthüllt, "dass ihre männlichen Arbeitskollegen mit ihren Leistungen, ihrer Energie und ihrem Know-how nicht umgehen konnten und sie deshalb bewusst in den Hintergrund drängten". Ihr Schicksal steht exemplarisch für das jener Frauen, die ihren Kriegseinsatz überlebten. Zwar wurden ihnen – mehr oder weniger öffentlichkeitswirksam – verschiedene Orden überreicht, beruflicher Aufstieg und Karriere jedoch blieben ihnen verwehrt.